Rezension Rabenblut

21Nov11

Seit meinem letzten Eintrag hab den Band nun ein paar Mal gelesen. Auch wenn mir  inzwischen ein paar Fehler, ob nun rechtgeschriebener Natur oder ärgerlicher Weise fehlender Werte, ins Auge gesprungen sind, bin ich doch nach wie vor mit dem Erwerb zufrieden und freue mich ihn in Bälde zu spielen. Erheblich früher als gedacht, da sich grade abzeichnet, dass einer meiner Spieler aus beruflichen Gründen einige Zeit aussteigen wird. Aber er versprach, sollte der Umstand denn eintreten, eilig wieder zu uns zurückzukehren. Aber genug davon.

Mit Rabenblut präsentiert sich dem Leser ein umfangreicher 155 Seiten umfassender Band. Ähnlich wie schon bei der Königsmacher Kampagne steht auch hier wieder ein Umbruch an, wenn auch bedeutend subtiler aufgezogen als im Horasreich. Denn die großen Schachfiguren fallen nicht schon zu Beginn vom Brett und stürzen alles in Chaos. In “Rabenblut” versuchen sich vielmehr Einzelpersonen die immer grandenfeindlichere Stimmung unter den Fanas seit der Niederlage in der Seeschlacht von Phrygaios zu nutze zu machen um sich an die Spitze der schwarzen Perle zu setzen. Oder zumindest erscheint es vordergründig so. Im ersten Drittel des Abenteuers also sehen sich die Helden unvermittelt als Erben des Grandeshauses Ulfhart eingesetzt und müssen dieses durch die kommende Zeit heile bringen. Ob und wie sie nach Erfüllungen der mit dem Testament verbundenen Verpflichtungen mit dem Erbe umspringen liegt danach – entgegen alter DSAManier – in den Händen der Spieler. So sie denn der SL gewähren lässt. Aber bis es soweit ist, heißt es für die Spieler sich um das Wohl und Wehe ihrer Fanas und sonstiger Bewohner des Schlundes zu bemühen und Punkte zu sammeln. Ja richtig. Punkte. Ich fühlte mich beim Lesen ein ums andere Mal an Rome, SPQR und GTA erinnert. Jede offene Handlung der Helden wird bewertet und bringt ihnen bei den Parteien in wer Stadt Plus – oder eben Minuspunkte ein. Abhängig davon erfahren sie bei späteren Recherchen, der  Suche nach Unterstützung und dergleichen halt eben Unterstützung oder eben nicht. Bis hin zur Auslieferung an die Gerichtsbarkeit oder offene Angriffe. Zu Ende des umfangreichen ersten Teils konnten die Helden ebenso eine sehr weltliche Bedrohung von der Stadt abwenden und sich, im wahrsten Sinne des Wortes, großen Konkurrenten entledigen und wurden bis dahin ordentlich auf Trab gehalten. Verschwundene Kinder in Schlund, raubgierige Piraten, machthungrige Granden, vergiftete Gladiatoren, einstürzende Mietskasernen, Erbschleicherinnen, die Helden werden kaum zur Ruhe kommen. Nicht alle Ereignisse haben direkt oder indirekt mit den beiden Hauptplots zu tun, dürften alle recht angenehm zu leiten sein und vermitteln ein anschauliches Bild, wie anstrengend doch das Leben eines Granden sein kann, wenn man mehr als auf seine Fanas zu scheißen oder seine Macht durch Terror und Angst erhält.
Im zweiten Drittel verlassen die Helden aber Al’Anfa und brechen zu einem Weltlauf mit teils ihnen bekannten und teils unbekannten Gegner in die grüne Hölle auf. Natürlich ist der zweite Teil bedeutend linearer, geht aber auch auf Entscheidungen der Helden ein, durch die sie Reise leichter, schwerer oder abweichend verlaufen kann. Und wie es sich für eine derartige Expedition gehört, bietet es diverse Klischees. Von den eiskalten Keke-Wanaq, die das Geheimnis, hinter dem alle herjagen, zu beschützen trachten und die sich später als rettende Verbündete erweisen über die Spuren gescheiterter Expeditionen bis hin zu Smaragdstadt im Herzen des Regenwaldes, auch hier ist wieder ein guter Mix vertreten, der zum sehr römischen Bild Al’Anfas im ersten Teil nun den regional passenden connquistadorigen Kontrast bietet. Auch hier bietet sich wieder am Ende ein vorgeschlagener Zwischengegner an.
Nach dessen Vernichtung sollten die Helden aber schleunigst wieder nach Al’Anfa zurückeilen. Denn dieses – je nach Reiseroute für sie überraschend – hat nun tatsächlich neue Herrscher, die wie zu Walküre Zornbrechts Zeiten mit Terror über die Stadt regieren und, wie sie von den Keke-Wanaq wissen wohl weit finsteres als bloßen Mord und Terror im Schilde führen. Auch dieser Teil ist wieder recht modular aufgebaut und stellt die Helden nun vor die Aufgabe den Widerstand zu organisieren. Sie sollten es sich also im ersten Drittel nicht mit allen verscherzt haben, wobei im Angesicht einer derartigen Bedrohung aus alten Feinden auch schnell einmal Verbündete werden können. Schlussendlich sollten die Helden aber die schonungslose Eroberung der Stadt durch einen ihren altgedientesten Kämpen im letzten Moment aufgehalten haben und die Terrorherschaft auf dem Forum…Entschuldigung, Rabenfelsen beendet haben. Wie es sich eben für Rom….äh, Al’Anfa gebührt. Wie man sieht bin ich mit dem Band sehr zufrieden. Er ist erstaunlich offen gestaltet und bietet, sollten Schlüsselszenen anders als vorgesehen ablaufen auch jedes Mal sinnvolle Alternativen an, wie sich die Handlung trotzdem weiterführen lässt. Einziger Wermutstropfen sind die stellenweise falsch berechneten oder gar fehlenden Werte. Bei zwei NSCs, von denen einer einer der Topantagonisten ist die AsP zu vergessen ist schon etwas peinlich. Abgerundet wird der Band noch mit der geänderten Lage und Herrschaft in der Stadt und zeichnet ein für Al’Anfa Fans positives Bild und einen noch positiveren Ausblick in die Zukunft des al’anfanischen Imperiums. Absolute Kaufempfehlung.



Eine Antwort auf „Rezension Rabenblut“

  1. Memo an mich. Nicht mehr übers Handy bloggen.


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